Der Fall Anna S. Vier Stimmen. Zusammenfassung

Die Geschichte wird aus der Perspektive der drei beteiligten Personen erzählt. Ob Anna tatsächlich diesen Mord begangen hat, wird posthum mit dem Protokollanten des Mordprozesses erörtert.

Im ersten Kapitel kommt ausschließlich Margareta, die Ehefrau Georgs, zu Wort. Die Ehe war eine Vernunftheirat, zu der sie der Vater gedrängt hatte. Margaretas wollte eigentlich Lehrerin in einer von Ordensfrauen geleiteten Schule werden. Sie war in der Ehe nicht glücklich und erkrankte psychisch. Margareta wurde ins Würzburger Julius-Spital eingeliefert, in dem eine sehr fortschrittliche Abteilung für geisteskranke und gemütskranke Frauen neu eingerichtet worden war. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, musste sie erkennen, dass ihr Mann und die Dienstmagd Anna ein Verhältnis hatten. Der Konflikt zwischen den dreien spitzte sich zu, bis Anna wegen 'unsittlichen Umgangs' mit ihrem Dienstherrn aus Würzburg ausgewiesen wurde.

Im zweiten Kapitel ist Anna bereits im Zuchthaus und blickt auf ihr kurzes Leben zurück. Im Zuchthaus hat sie nur zwei Ansprechpartner, die Aufseherin Frau Haas und Pater Anselm. Sie erzählt den beiden von ihrem bisherigen Leben, und sie denkt oft an ihre Eltern und Brüder, über die so viel Leid gebracht hat. Ihr Vater, noch ganz den Werten des traditionellen Handwerks verpflichtet, hat die Tochter verstoßen. Anna hat sich ausschließlich von ihrer Liebe zu Georg leiten lassen, aber im Zuchthaus ändert sich ihr Blick. In der Schlussszene fordert Pater Anselm sie auf, zu beichten und ihm zu sagen, was letztlich in der Tatnacht passiert war. An die Tat selbst kann Anna sich nicht genau erinnern, aber sie nimmt die Schuld für den Tod von Georgs Frau auf sich. Sie selbst hat mit dem Leben abgeschlossen und bereitet sich auf den Tod vor.
Im dritten Kapitel erzählt Georg seinem Freund Anton, was geschehen ist, seit sich ihre Wege getrennt haben. Als Gesellen hatten sie sich an den Handwerkerunruhen in Frankfurt beteiligt und waren schließlich vor der Polizei geflohen. Georg ging nach Würzburg und fand bei Margaretas Vater eine Stelle als 'erster Geselle'. Da der Vater seine Fähigkeiten sehr schätzte, wollte er ihm seine gutgehende Spenglerwerkstatt als Meister übergeben und hoffte, dass seine Tochter Margareta in eine Heirat mit dem feschen Gesellen einwilligte. Auf Nachfragen Antons erzählt Georg schließlich, dass die Ehe bald erkaltet sei, und er sich in Anna, die als Dienstmagd ins Haus gekommen war, verliebt habe, als seine Frau im Krankenhaus lag. Anna sei schwanger geworden und der Würzburger Magistrat habe sie der Stadt verwiesen, als er in Nürnberg auf einer Messe war. Der Kontakt zu Anna sei nicht abgebrochen, und er habe ihr in der Nähe von Würzburg eine neue Stelle besorgt. Er wisse nicht, was in der furchtbaren Nacht wirklich passiert sei. Margareta war tot und Anna wurde noch in der gleichen Nacht verhaftet. Aus Georgs Mund erfahren wir mehr über den Mordprozess gegen Anna und ihre Hinrichtung. Nach ihrem Tod wurde auch er immer wieder vernommen und sollte inhaftiert werden, wenn er nicht eine bestimmte Summe aufbringen konnte. Dieses Kapitel endet damit, dass Georg sein Freund bittet, ihm dieses Geld zu beschaffen.

Das letzte Kapitel ist ein posthumer Besuch bei Franz Vogt. Die Historikerin AE, die über den Fall Anna S. schreiben möchte, sucht den vielfach ausgezeichneten Juristen Prof. Dr. Dr. Franz Vogt auf. Als junger Mann hat er im Mordprozess gegen Anna S. Protokoll geführt und nach ihrem Tod für ihr Kind bei den Würzburger Bürgern Geld gesammelt. Dieser Prozess hatte den jungen Juristen zu einem entschiedenen Gegner der Todesstrafe gemacht. Vogt war ein Liberaler und stand der 48er-Revolutionären nahe. Er leitete später eine Kommission zum Thema "Justizirrtum und Todesstrafe". Die Historikerin AE erörtert mit Vogt die Frage, ob Anna wirklich des Mordes schuldig und zu Recht hingerichtet worden war. Vogt, der beste Kenner dieses Prozesses, kommt schließlich zu der Meinung, dass er kein endgültiges Urteil habe. Gerade deshalb habe ihn der Ausgang dieses Prozesses zu einem entschiedenen Gegner der Todesstrafe gemacht. Am Ende des Gesprächs sagte er zu AE: "Jetzt liegt es an Ihnen, welche Geschichte Sie erzählen wollen."

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